Laborchemikalien richtig lagern: Der komplette Leitfaden für deutsche Labore
Laborchemikalien richtig lagern ist ein wichtiger Bestandteil eines sicheren und gut organisierten Laborbetriebs. Chemische Stoffe können je nach Eigenschaften entzündlich, ätzend, oxidierend, gesundheitsschädlich oder auf andere Weise gefährlich sein. Eine ungeeignete Lagerung kann deshalb nicht nur die Qualität der Chemikalien beeinträchtigen, sondern auch Risiken für Beschäftigte und Einrichtungen schaffen.
Für deutsche Labore spielen neben den Eigenschaften der jeweiligen Chemikalie auch Kennzeichnung, Lagerbedingungen, Gefahrstoffmanagement, Gefährdungsbeurteilung und geltende Vorschriften eine wichtige Rolle.
Dieser Leitfaden erklärt die wichtigsten Grundlagen der sicheren Lagerung von Laborchemikalien und zeigt, worauf Forschungseinrichtungen, analytische Labore und Qualitätskontrolllabore achten sollten.
Warum ist es wichtig, Laborchemikalien richtig zu lagern?
Eine geeignete Lagerung verfolgt mehrere Ziele gleichzeitig: Sie soll die Sicherheit von Personen gewährleisten, die Qualität und Stabilität der Chemikalien erhalten und verhindern, dass inkompatible Stoffe miteinander reagieren.
Temperatur, Licht, Feuchtigkeit und Sauerstoff können bei bestimmten Substanzen die Stabilität beeinflussen. Bei Gefahrstoffen kommen außerdem Brand-, Explosions-, Gesundheits- und Umweltgefahren hinzu.
Deshalb sollte die Lagerung nicht ausschließlich nach dem Namen eines Stoffes erfolgen. Entscheidend sind insbesondere seine chemischen und physikalischen Eigenschaften sowie die jeweilige Gefahreneinstufung.
Laborchemikalien richtig lagern: Die wichtigsten Grundlagen
Eine sichere Lagerorganisation beginnt mit einer eindeutigen Identifizierung der vorhandenen Stoffe.
Vor der Einlagerung sollten Laborverantwortliche beziehungsweise entsprechend geschulte Personen unter anderem prüfen:
- chemische Bezeichnung;
- CAS-Nummer, sofern vorhanden;
- Gefahreneinstufung und Kennzeichnung;
- physikalische Form;
- Lagerbedingungen;
- Verpackungsmaterial;
- mögliche Unverträglichkeiten;
- erforderliche Schutzmaßnahmen;
- verfügbare Sicherheitsinformationen.
Die Angaben auf dem Produktetikett und im Sicherheitsdatenblatt (SDS/FDS) sollten dabei berücksichtigt werden.
Für Gefahrstoffe gelten in Deutschland je nach Situation zusätzliche Anforderungen. Die TRGS 510 „Lagerung von Gefahrstoffen in ortsbeweglichen Behältern“ ist hierfür eine wichtige technische Regel.
Chemikalien nach ihren Eigenschaften organisieren
Laborchemikalien sollten nicht einfach nach Alphabet nebeneinander gestellt werden.
Bei der Lagerorganisation ist insbesondere zu berücksichtigen, ob Stoffe beispielsweise:
- entzündbar;
- oxidierend;
- ätzend;
- akut toxisch;
- wasserreaktiv;
- umweltgefährlich
oder aufgrund anderer Eigenschaften gefährlich sind.
Die Zusammenlagerung inkompatibler Stoffe kann zusätzliche Risiken verursachen. Deshalb sollte die Lagerung anhand der jeweiligen Stoffeigenschaften und der geltenden Sicherheitsvorgaben geplant werden.
Die DGUV weist ebenfalls darauf hin, dass nicht alle Gefahrstoffe gemeinsam gelagert werden dürfen.
Originalgebinde und eindeutige Kennzeichnung
Wenn möglich, sollten Chemikalien in geeigneten und eindeutig gekennzeichneten Originalgebinden aufbewahrt werden.
Die Kennzeichnung ermöglicht es, wichtige Informationen zum Inhalt und zu den Gefahren schnell zu erkennen. Die DGUV empfiehlt für Chemikalien unter anderem, möglichst die Originalgebinde beizubehalten und andere Behälter eindeutig zu kennzeichnen.
Unbekannte oder nicht eindeutig gekennzeichnete Behälter sollten nicht einfach weiterverwendet werden. Eine klare Identifikation ist eine grundlegende Voraussetzung für eine sichere Lagerung und spätere Verwendung.
Temperatur und Lagerbedingungen beachten
Die richtige Temperatur kann für die Stabilität bestimmter Laborchemikalien entscheidend sein.
Je nach Produkt können Hersteller beispielsweise bestimmte Temperaturbereiche oder den Schutz vor Licht und Feuchtigkeit vorgeben.
Daher sollten Labore:
- Herstellerangaben beachten;
- direkte Wärmequellen vermeiden;
- geeignete Temperaturbereiche einhalten;
- lichtempfindliche Materialien entsprechend schützen;
- Feuchtigkeit und Kondensation vermeiden;
- Behälter nach der Verwendung ordnungsgemäß verschließen.
Es sollte niemals pauschal angenommen werden, dass alle Laborchemikalien bei Raumtemperatur gelagert werden können.
Entzündbare Laborchemikalien sicher lagern
Entzündbare Flüssigkeiten und andere entzündbare Gefahrstoffe erfordern besondere Aufmerksamkeit.
Je nach Stoff, Menge und Lagerkonzept können spezielle Sicherheitsschränke oder andere geeignete Lagereinrichtungen erforderlich sein.
Auch Zündquellen, Lüftung, Mengenbegrenzungen, Behälter und Zusammenlagerung müssen berücksichtigt werden.
Die konkreten Anforderungen hängen von der jeweiligen Gefahrstoffklasse und den betrieblichen Rahmenbedingungen ab. Deshalb sollte die Lagerung anhand der Sicherheitsinformationen und der geltenden Vorschriften geplant werden.
Chemikalien niemals auf Fluchtwegen lagern
Ein wichtiger Grundsatz beim Laborchemikalien richtig lagern lautet: Lagerbereiche dürfen nicht zu einer zusätzlichen Gefährdung von Personen führen.
Gefahrstoffe sollten daher nicht auf Verkehrswegen, in Treppenräumen oder Flucht- und Rettungswegen gelagert werden. Auch Pausen-, Sanitär- und ähnliche Räume sind grundsätzlich keine geeigneten Lagerorte für Gefahrstoffe. Die TRGS 510 enthält hierzu konkrete Vorgaben.
Eine gute Lagerorganisation sorgt außerdem dafür, dass Regale, Schränke und Arbeitsbereiche nicht unnötig überfüllt werden.
Geeignete Behälter und Verpackungen verwenden
Nicht jeder Behälter ist für jede Chemikalie geeignet.
Bei der Auswahl müssen unter anderem die chemische Beständigkeit des Verpackungsmaterials, die Dichtigkeit und die mechanische Stabilität berücksichtigt werden.
Besonders bei Glasbehältern besteht ein zusätzliches Bruchrisiko. Die DGUV weist deshalb auf geeignete Transport- und Aufbewahrungslösungen für Chemikalienbehälter hin.
Beschädigte, undichte oder stark korrodierte Gebinde sollten nicht einfach wieder in das normale Chemikalienlager gestellt werden. Für solche Situationen müssen geeignete betriebliche Verfahren vorhanden sein.
Lagerbestand regelmäßig kontrollieren
Ein gut geführtes Chemikalienlager sollte regelmäßig kontrolliert werden.
Dabei können Laborverantwortliche beispielsweise überprüfen:
- Sind alle Behälter eindeutig gekennzeichnet?
- Sind Verpackungen unbeschädigt?
- Sind die Lagerbedingungen eingehalten?
- Gibt es abgelaufene oder nicht mehr benötigte Stoffe?
- Sind die vorhandenen Mengen noch erforderlich?
- Sind Sicherheitsdatenblätter und andere relevante Informationen verfügbar?
- Werden inkompatible Stoffe korrekt getrennt?
Die DGUV empfiehlt, Chemikalien und Präparate im Labor regelmäßig auf ihren ordnungsgemäßen Zustand zu überprüfen.
Eine regelmäßige Bestandskontrolle kann außerdem dazu beitragen, unnötige Lagerbestände zu reduzieren.
Sicherheitsdatenblatt vor der Lagerung prüfen
Das Sicherheitsdatenblatt (SDS) ist eine wichtige Informationsquelle für den sicheren Umgang mit Chemikalien.
Je nach Produkt können dort Informationen zu folgenden Bereichen enthalten sein:
- Gefahrenidentifikation;
- sichere Handhabung;
- Lagerbedingungen;
- Unverträglichkeiten;
- persönliche Schutzmaßnahmen;
- Maßnahmen bei Freisetzung;
- Entsorgung;
- Transportinformationen.
Für eine sichere Labororganisation sollten die relevanten Sicherheitsinformationen vor der Einlagerung und Verwendung geprüft werden.
Gefährdungsbeurteilung und Labororganisation
Eine sichere Chemikalienlagerung sollte Teil eines umfassenderen Gefahrstoffmanagements sein.
In Deutschland spielt die Gefährdungsbeurteilung eine zentrale Rolle bei der Ermittlung und Bewertung von Risiken im Labor. Die DGUV stellt hierfür eigene Informationen zur Gefährdungsbeurteilung in Laboratorien bereit.
Neben der Lagerung sollten daher auch Beschaffung, Kennzeichnung, Transport, Verwendung, Entsorgung und Notfallmaßnahmen in die betriebliche Sicherheitsorganisation einbezogen werden.
Laborchemikalien richtig lagern: Häufige Fehler vermeiden
Einige typische Fehler lassen sich durch eine strukturierte Lagerorganisation vermeiden.
Dazu gehören beispielsweise:
Unklare Kennzeichnung:
Behälter ohne eindeutige Identifikation sollten nicht einfach weitergelagert werden.
Falsche Zusammenlagerung:
Chemisch inkompatible Stoffe dürfen nicht ohne entsprechende Prüfung gemeinsam gelagert werden.
Überfüllte Regale:
Zu dicht gefüllte Lagerbereiche können die sichere Entnahme erschweren und das Risiko beschädigter Behälter erhöhen.
Ungeeignete Lagerorte:
Fluchtwege, Verkehrswege und andere ungeeignete Bereiche sollten nicht als Chemikalienlager verwendet werden.
Fehlende Bestandskontrolle:
Nicht mehr benötigte oder beschädigte Chemikalien sollten nach den betrieblichen Verfahren identifiziert und fachgerecht behandelt werden.
Ignorierte Herstellerangaben:
Die empfohlenen Lagerbedingungen des Herstellers sollten immer berücksichtigt werden.
Welche Vorschriften gelten in Deutschland?
Die konkreten Anforderungen an die Lagerung hängen unter anderem von der Art des Stoffes, seiner Einstufung, der Menge, der Verpackung und der betrieblichen Situation ab.
Für die Lagerung von Gefahrstoffen in ortsbeweglichen Behältern ist insbesondere die TRGS 510 relevant. Für die sichere Arbeit in Laboratorien stellt die DGUV außerdem die DGUV Information 213-850 „Sicheres Arbeiten in Laboratorien“ bereit.
Darüber hinaus können weitere Vorschriften und Regelwerke relevant sein. Labore sollten deshalb immer die für ihren konkreten Standort, ihre Stoffe und ihre Tätigkeiten geltenden Anforderungen prüfen.
Checkliste: Laborchemikalien richtig lagern
Vor der Einlagerung kann folgende einfache Checkliste hilfreich sein:
☐ Chemische Identität geprüft
☐ Behälter eindeutig gekennzeichnet
☐ Sicherheitsdatenblatt verfügbar und geprüft
☐ Lagerbedingungen bekannt
☐ Chemikalien nach Eigenschaften und Gefahren organisiert
☐ Inkompatible Stoffe getrennt
☐ Geeignete Behälter und Lagereinrichtungen verwendet
☐ Flucht- und Verkehrswege freigehalten
☐ Lagerbestand regelmäßig kontrolliert
☐ Beschädigte oder undichte Gebinde nach festgelegten Verfahren behandelt
☐ Mitarbeiter entsprechend unterwiesen
☐ Betriebliche Gefährdungsbeurteilung berücksichtigt
Fazit: Laborchemikalien richtig lagern
Laborchemikalien richtig lagern bedeutet weit mehr, als Flaschen und Behälter einfach in ein Regal zu stellen.
Eine professionelle Lagerorganisation berücksichtigt die chemischen Eigenschaften, Gefahreneinstufung, Zusammenlagerung, Verpackung, Temperatur, Licht, Feuchtigkeit, Kennzeichnung, Bestandskontrolle und geltenden Sicherheitsanforderungen.
Für deutsche Labore sind dabei unter anderem die TRGS 510, die relevanten Gefahrstoffvorschriften und die Empfehlungen der DGUV wichtige Orientierungspunkte.
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Wichtiger Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine Gefährdungsbeurteilung, Betriebsanweisung, Sicherheitsunterweisung oder fachkundige Rechts- und Sicherheitsberatung. Chemische Stoffe dürfen nur von entsprechend geschulten Personen und unter Beachtung der jeweils geltenden gesetzlichen Vorschriften, Sicherheitsdatenblätter und Herstellerangaben gehandhabt und gelagert werden.




